AUSWANDER KOMPASS
Auswandern

Auswandern aus Deutschland

Deutschland verlassen – ein großer Schritt, den jährlich über 200.000 Deutsche wagen. Was Sie wirklich wissen müssen: von der Abmeldung über Steuern bis zur Krankenversicherung. Ein ehrlicher Guide aus der Praxis.

1 Warum immer mehr Deutsche auswandern

Die Gründe sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Manche haben genug von der hohen Abgabenlast – wer als Selbstständiger oder gut verdienender Angestellter fast die Hälfte seines Einkommens an Staat und Sozialversicherung abgibt, fragt sich irgendwann, ob das so sein muss. Andere suchen schlicht besseres Wetter, günstigere Lebenshaltungskosten oder einen entspannteren Alltag. Was viele unterschätzen: Auch die Bürokratie ist ein großer Treiber. Wer schon einmal versucht hat, in Deutschland eine Firma zu gründen, ein Konto zu eröffnen oder eine simple Behördenangelegenheit online zu erledigen, kennt die Frustration. In vielen Zielländern geht das schneller und digitaler. Dann gibt es noch die Gruppe der Rentner, die feststellen, dass ihre Rente in Thailand, Portugal oder auf den Philippinen zwei- bis dreimal so weit reicht. Und nicht zuletzt die digitalen Nomaden und Remote Worker, die ohnehin ortsunabhängig arbeiten und sich fragen: Warum sollte ich ausgerechnet in Deutschland leben?

2 Abmeldung und Vorbereitung

Der erste und wichtigste Schritt: die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt. Das klingt simpel, hat aber weitreichende Konsequenzen. Mit der Abmeldung wird Ihr Personalausweis ungültig – der Reisepass bleibt gültig, und den sollten Sie unbedingt vorher erneuern lassen, wenn er in den nächsten Jahren abläuft. Die Abmeldebestätigung ist Ihr wichtigstes Dokument. Heben Sie sie auf wie einen Schatz. Banken, Finanzämter, Versicherungen – alle werden danach fragen. Sie brauchen sie auch, um nachzuweisen, dass Sie keinen Wohnsitz mehr in Deutschland haben. Erstellen Sie mindestens drei Monate vor dem Umzug eine detaillierte Checkliste: Verträge kündigen (Strom, Internet, Telefon, Fitnessstudio, Zeitschriften), Nachsendeauftrag bei der Post einrichten, Vollmacht für eine Vertrauensperson in Deutschland aufsetzen, Dokumente beglaubigen lassen und apostillieren. Unterschätzen Sie den Zeitaufwand nicht – die meisten Auswanderer sagen rückblickend, dass die Vorbereitung der stressigste Teil war.

3 Steuerliche Konsequenzen

Hier wird es ernst. Die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland endet, wenn Sie weder einen Wohnsitz noch einen gewöhnlichen Aufenthalt hier haben. Das heißt: Sie müssen Ihre Wohnung tatsächlich aufgeben oder dauerhaft an Dritte vermieten. Ein möbliertes Zimmer bei den Eltern oder eine leerstehende Eigentumswohnung kann als Wohnsitz gewertet werden – und dann zahlen Sie weiter deutsche Steuern auf Ihr Welteinkommen. Besonders aufpassen müssen Unternehmer und GmbH-Gesellschafter. Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG kann dazu führen, dass Sie auf unrealisierte Gewinne Ihrer Firmenanteile Steuern zahlen müssen – obwohl Sie nichts verkauft haben. Bei einer GmbH mit 500.000 Euro Verkehrswert und 25.000 Euro Stammkapital kann das schnell über 100.000 Euro Steuerlast bedeuten. Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG ist ein weiterer Fallstrick: Wer in ein Niedrigsteuerland zieht und weiterhin wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland hat, kann noch bis zu zehn Jahre in Deutschland steuerpflichtig bleiben. Das betrifft besonders Auswanderer nach Dubai, Panama oder Paraguay. Lassen Sie sich frühzeitig von einem auf internationales Steuerrecht spezialisierten Berater beraten. Die paar tausend Euro Beratungshonorar sind gut investiert.

4 Krankenversicherung klären

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) endet mit der Abmeldung aus Deutschland. Die meisten Krankenkassen beenden die Mitgliedschaft automatisch, sobald Sie Ihren Wohnsitz aufgeben. Einige gewähren eine Übergangszeit von einem Monat. Wenn Sie privat versichert sind, haben Sie mehr Optionen. Viele PKV-Tarife bieten weltweiten Schutz, allerdings oft zeitlich begrenzt auf sechs Monate pro Jahr. Prüfen Sie Ihren Tarif genau und fragen Sie schriftlich bei Ihrem Versicherer nach, ob der Schutz bei dauerhafter Verlegung des Wohnsitzes bestehen bleibt. Für die meisten Auswanderer empfiehlt sich eine internationale Krankenversicherung. Anbieter wie BDAE, Cigna, Allianz Care oder Foyer Global Health bieten maßgeschneiderte Tarife. Rechnen Sie mit 150 bis 500 Euro pro Monat, je nach Alter und gewünschtem Leistungsumfang. Achten Sie darauf, dass Rücktransport und Behandlung in Deutschland mit abgedeckt sind – viele Auswanderer kommen für bestimmte medizinische Eingriffe zurück nach Deutschland.

5 Rentenansprüche und Sozialversicherung

Ihre erworbenen Rentenansprüche in Deutschland gehen nicht verloren. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt auch ins Ausland aus. Allerdings gibt es Besonderheiten: Wer Rentenanteile nach dem Fremdrentengesetz erworben hat (zum Beispiel Aussiedler), muss mit Kürzungen rechnen, wenn er außerhalb der EU lebt. Informieren Sie die Deutsche Rentenversicherung Bund über Ihren Umzug und richten Sie die Rentenzahlung auf ein internationales Konto ein. Beachten Sie: Sie müssen jährlich eine Lebensbescheinigung einreichen, um die Rentenzahlung aufrechtzuerhalten. Das ist ein Formular, das von einer Behörde im Ausland bestätigt werden muss. Bei der Arbeitslosenversicherung verfallen Ihre Ansprüche, wenn Sie Deutschland verlassen. Innerhalb der EU können Versicherungszeiten übertragen werden, außerhalb der EU in der Regel nicht. Die freiwillige Weiterversicherung in der deutschen Rentenversicherung ist möglich und für manche sinnvoll – besonders wenn nur wenige Jahre bis zur Mindestversicherungszeit von fünf Jahren fehlen.

6 Bankkonten und Finanzen

Eines der unterschätztesten Themen. Viele deutsche Banken kündigen Konten, sobald der Inhaber keinen deutschen Wohnsitz mehr hat. DKB, Comdirect und N26 sind hier besonders streng. Die Deutsche Bank und einige Sparkassen sind kulanter, aber fragen Sie vorher schriftlich nach. Eröffnen Sie vor der Auswanderung ein Konto bei einer Bank, die Auslandskunden akzeptiert. Wise (ehemals TransferWise) und Revolut sind gute Ergänzungen, ersetzen aber kein vollwertiges Girokonto. Für den Geldtransfer ins Ausland nutzen Sie spezialisierte Dienste wie Wise, die deutlich günstigere Wechselkurse bieten als klassische Banküberweisung per SWIFT. Bei einer Überweisung von 10.000 Euro können Sie damit 100 bis 300 Euro an Gebühren und Kursverlusten sparen. Denken Sie auch an Ihre Depots und Investments. Einige deutsche Broker akzeptieren keine Kunden ohne deutschen Wohnsitz. Klären Sie das vor dem Umzug und übertragen Sie Ihr Depot gegebenenfalls zu einem internationalen Broker wie Interactive Brokers.

7 Für wen ist Auswandern die richtige Entscheidung?

Nicht jeder, der davon träumt, sollte es auch tun. Auswandern funktioniert am besten für Menschen, die ein konkretes Ziel haben – sei es steuerliche Optimierung, besseres Klima, günstigere Lebenshaltungskosten oder der Wunsch nach einem bestimmten Lebensstil. Besonders gut geeignet ist die Auswanderung für Selbstständige und Unternehmer mit ortsunabhängigem Einkommen, für Rentner mit ausreichenden Einkünften und für Angestellte, die remote arbeiten können. Wer dagegen auf den lokalen deutschen Arbeitsmarkt angewiesen ist, wird es schwerer haben. Ehrlich gesagt: Wer nur vor etwas weglaufen will – vor Problemen, Schulden oder persönlichen Schwierigkeiten – nimmt diese Dinge mit ins Ausland. Auswandern ist kein Neuanfang-Knopf. Es hilft, wenn man weiß, wohin man will und warum.

8 Beliebte Zielländer für Deutsche

Die Klassiker sind nach wie vor die Mittelmeerländer: Spanien, Portugal und Griechenland locken mit Sonne, günstigen Preisen und EU-Freizügigkeit. Für steuerliche Optimierer sind Dubai, Panama und Paraguay erste Wahl. Thailand und die Philippinen bieten extrem niedrige Lebenshaltungskosten bei hoher Lebensqualität. Die Schweiz und Österreich klingen naheliegend, sind aber oft teurer als Deutschland – der Vorteil liegt eher in der Lebensqualität und (im Fall der Schweiz) in den niedrigeren Steuern in bestimmten Kantonen. Ein neuer Trend: Zypern. Als EU-Mitglied bietet die Insel den Non-Dom-Status, mit dem Dividenden und Zinsen 17 Jahre lang steuerfrei bleiben. Dazu 340 Sonnentage und Englisch als Geschäftssprache.

9 Fazit: Der Schritt ins Ausland

Auswandern aus Deutschland ist ein großer Schritt – aber keiner, vor dem man Angst haben muss, wenn man ihn gut vorbereitet. Die wichtigsten Punkte: Steuerliche Situation frühzeitig klären, Krankenversicherung absichern, Bankkonten regeln und eine saubere Abmeldung durchführen. Nehmen Sie sich mindestens sechs bis zwölf Monate Vorlaufzeit. Besuchen Sie Ihr Zielland vorher mehrmals und zu verschiedenen Jahreszeiten. Sprechen Sie mit Auswanderern, die den Schritt schon gemacht haben – deren Erfahrungen sind unbezahlbar. Und der vielleicht wichtigste Rat: Behalten Sie sich eine Rückkehroption offen. Manche stellen nach einem Jahr fest, dass das Ausland nicht das ist, was sie erwartet haben. Das ist völlig in Ordnung. Die Welt ist groß, und es gibt mehr als ein Land, das zu Ihnen passen könnte.

Beliebte Zielländer

ThailandPortugalSchweizÖsterreichDubaiZypernParaguayPhilippinen

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