Die große Checkliste für die Auswanderung
Eine Auswanderung erfordert sorgfältige Planung. Diese Checkliste führt Sie Schritt für Schritt durch alle wichtigen Phasen – von der Vorbereitung Monate vor dem Umzug bis zur Anmeldung im neuen Zielland.
- Vorbereitung 6 Monate vor dem Umzug
- Wichtige Schritte 3 Monate vorher
- Letzte organisatorische Aufgaben im letzten Monat
- Anmeldung und Organisation im Zielland
6 Monate vorher
Sechs Monate vor dem geplanten Umzug beginnt die strategische Phase. Hier legen Sie die Grundlagen für eine reibungslose Auswanderung – Fehler in dieser Phase kosten später Zeit und Geld.
- Zielland final recherchieren: Visum, Steuern, Lebenshaltungskosten, Klima, Gesundheitsversorgung. Idealerweise haben Sie das Land bereits besucht und vor Ort gelebt (Probemonat).
- Steuerberater konsultieren: Ein Steuerberater mit internationalem Know-how ist keine Option, sondern Pflicht. Er prüft DBA, Wegzugsbesteuerung und optimale Timing-Strategien.
- DBA mit Zielland prüfen: Hat Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Ihrem Zielland? Welche Einkünfte werden wo besteuert?
- Reisepass prüfen: Mindestens 6 Monate Restgültigkeit? 48-Seiten-Version beantragen? Express-Ausstellung nutzen?
- Dokumente besorgen: Internationale Geburtsurkunde, Führungszeugnis (Belegart O), Apostillen auf allen Dokumenten, beglaubigte Übersetzungen.
- Wohnung kündigen: Kündigungsfrist beachten (meist 3 Monate). Alternativ: Vermietung planen und Hausverwaltung beauftragen.
- Visum/Aufenthaltsgenehmigung: Anforderungen recherchieren, ggf. Immigrationsanwalt im Zielland beauftragen.
3 Monate vorher
Drei Monate vor dem Umzug beginnt die operative Phase. Jetzt werden konkrete Entscheidungen getroffen und umgesetzt.
- Visum beantragen: Alle Dokumente einreichen, Termin bei der Botschaft vereinbaren. Bearbeitungszeit einplanen (4–12 Wochen).
- Krankenversicherung klären: GKV/PKV kündigen oder Anwartschaft beantragen. Internationale Krankenversicherung abschließen (BDAE, Cigna, Allianz Care).
- Bankkonten prüfen: Welche Konten können Sie mit Auslandsadresse behalten? DKB/Comdirect als Backup eröffnen. Wise-Konto einrichten.
- Verträge kündigen: Strom, Gas, Internet, Mobilfunk, Fitnessstudio, Zeitschriften-Abos, Streaming-Dienste. Sonderkündigungsrecht bei Umzug ins Ausland prüfen.
- Rentenversicherung: DRV über Wegzug informieren. Freiwillige Beiträge prüfen. Versicherungsverlauf anfordern.
- Umzug organisieren: Internationales Umzugsunternehmen beauftragen oder Haushalt auflösen. Container-Verschiffung: 4–8 Wochen einplanen.
- Depot/Wertpapiere: Depotübertrag zu auslandsfähigem Broker einleiten (4–8 Wochen). Interactive Brokers oder Swissquote als Alternativen.
1 Monat vorher
Der letzte Monat vor dem Umzug ist die Umsetzungsphase. Jetzt werden die letzten organisatorischen Details erledigt.
- GEZ abmelden: Online oder schriftlich. Abmeldung wird ab dem Folgemonat wirksam.
- Nachsendeauftrag: Bei der Post einrichten (6 oder 12 Monate). Alternativ: Digitalen Briefkasten einrichten (z.B. Caya, DroppMail).
- Vollmachten erteilen: Generalvollmacht oder Spezialvollmachten für Vertrauensperson in Deutschland. Notariell beglaubigen lassen.
- Wohnungsübergabe: Termin mit Vermieter vereinbaren. Protokoll erstellen. Kaution-Rückzahlung klären.
- Auto abmelden/verkaufen: KFZ-Versicherung kündigen, Nummernschilder zurückgeben.
- Flüge buchen: One-Way-Ticket ins Zielland. Erste Unterkunft für mindestens 2–4 Wochen sichern.
- ELSTER-Zugang sichern: Zertifikat und Passwort sichern – Sie brauchen ELSTER ggf. noch für die Steuererklärung aus dem Ausland.
Bei Auszug und Abmeldung
Der Tag der Abmeldung ist ein wichtiger Stichtag – steuerlich, versicherungstechnisch und rechtlich.
- Abmeldung beim Einwohnermeldeamt: Persönlich oder schriftlich. Abmeldebestätigung unbedingt aufbewahren – sie ist Ihr wichtigstes Dokument für das Finanzamt.
- Finanzamt informieren: Schriftlich über den Wegzug und die neue Adresse informieren. Ggf. steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung beantragen.
- Letzte Steuererklärung: Für das Wegzugsjahr eine Steuererklärung einreichen (Frist: 31. Juli des Folgejahres, mit Steuerberater: Ende Februar übernächstes Jahr).
- Wegzugsbesteuerung prüfen: Bei GmbH-Anteilen über 1% kann die Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG) greifen. Vorab mit dem Steuerberater klären!
Nach Ankunft im Zielland
Die ersten Wochen im Zielland sind entscheidend für einen reibungslosen Start:
- Lokale Anmeldung: Bei den Behörden des Ziellandes anmelden. Residencia, NIE, Cédula – die Bezeichnung variiert je nach Land.
- Steuernummer beantragen: NIF (Portugal), NIE (Spanien), TIN (allgemein) – ohne lokale Steuernummer geht fast nichts.
- Ansässigkeitsbescheinigung: Certificate of Tax Residence beim lokalen Finanzamt beantragen. Entscheidend für die Anwendung des DBA.
- Lokales Bankkonto: Eröffnen Sie so schnell wie möglich ein Konto bei einer lokalen Bank.
- Krankenversicherung aktivieren: Internationale KV bestätigen oder lokale Versicherung abschließen.
- Deutsche Botschaft: Bei der Krisenvorsorgeliste ELEFAND registrieren. Im Notfall kann die Botschaft Sie so kontaktieren.
Fazit
Eine strukturierte Checkliste ist der Schlüssel zu einer reibungslosen Auswanderung. Planen Sie mindestens 6 Monate Vorlauf ein und arbeiten Sie die Punkte systematisch ab. Die wichtigsten Prioritäten: Steuerberater konsultieren, Dokumente besorgen, Krankenversicherung klären und Bankkonten sichern.
Drucken Sie diese Checkliste aus, haken Sie jeden Punkt ab und setzen Sie sich feste Deadlines. So vermeiden Sie Last-Minute-Stress und starten entspannt in Ihr neues Leben im Ausland.
Experte für strategisches Auswandern
Gründer von Auswander-Kompass. Unterstützt Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei, fundierte Entscheidungen über ein Leben im Ausland zu treffen – mit klaren Fakten zu Steuern, Visa und Lebensqualität.
Der große Auswander-Kompass Guide
Schritt-für-Schritt Anleitung für die Auswanderung aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz.