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Auswandern

Auswandern aus Österreich

Österreich verlassen und im Ausland neu anfangen – von der Abmeldung über Pension und Steuern bis zur richtigen Krankenversicherung. Ein praxisnaher Guide für alle, die den Schritt wagen.

1 Warum Österreicher auswandern

Österreich ist ein wunderschönes Land mit hoher Lebensqualität, stabiler Wirtschaft und erstklassiger Natur. Trotzdem zieht es jedes Jahr tausende Österreicher ins Ausland. Die Gründe? Die Steuerlast ist mit einem Spitzensteuersatz von 55 Prozent die höchste in der EU. Dazu kommen hohe Sozialabgaben, steigende Mietpreise in Wien und eine Bürokratie, die manchmal an Kafka erinnert. Besonders Unternehmer und Freiberufler stöhnen unter der Abgabenlast. Wer als Einzelunternehmer 100.000 Euro Gewinn erzielt, behält nach Einkommensteuer und Sozialversicherung oft weniger als die Hälfte. In vielen Zielländern wäre es ein Drittel oder weniger Belastung. Dann gibt es die Lifestyle-Auswanderer: Wer die langen, dunklen Alpenwinter satt hat, sehnt sich nach Sonne und Meer. Thailand, Spanien, Portugal – die Klassiker locken mit einem komplett anderen Lebensgefühl. Und für Rentner, die mit einer bescheidenen Pension auskommen müssen, bietet das Ausland eine Möglichkeit, den Lebensabend komfortabler zu gestalten.

2 Abmeldung und Meldepflicht

Bei einer dauerhaften Auswanderung müssen Sie sich beim zuständigen Meldeamt abmelden. Die Abmeldung kann persönlich, schriftlich oder in manchen Gemeinden auch online erfolgen. Nehmen Sie Ihren Reisepass oder Personalausweis mit – Sie erhalten eine Abmeldebestätigung, die Sie unbedingt aufbewahren sollten. Wichtig: Im Gegensatz zu Deutschland bleibt der österreichische Personalausweis nach der Abmeldung gültig. Auch der Reisepass bleibt unverändert gültig. Beides sollten Sie vor der Auswanderung verlängern lassen, wenn die Gültigkeit in den nächsten zwei bis drei Jahren ausläuft. Als EU-Bürger haben Sie innerhalb der Europäischen Union Freizügigkeit. Sie können sich in jedem EU-Land niederlassen, ohne ein Visum zu beantragen. Allerdings müssen Sie sich im Zielland anmelden und bei längeren Aufenthalten oft nachweisen, dass Sie über ausreichende finanzielle Mittel und eine Krankenversicherung verfügen. Bei Auswanderung in ein Nicht-EU-Land benötigen Sie in der Regel ein Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung. Die Anforderungen variieren stark – von der einfachen Cedula in Paraguay bis zum aufwändigen Investorenvisum in Singapur.

3 Steuerliche Aspekte

Die unbeschränkte Steuerpflicht in Österreich endet mit der Aufgabe des Wohnsitzes und des gewöhnlichen Aufenthalts. Ab diesem Zeitpunkt sind Sie nur noch beschränkt steuerpflichtig – das heißt, nur österreichische Einkünfte werden besteuert. Österreich kennt eine Wegzugsbesteuerung bei Beteiligungen an Kapitalgesellschaften. Wenn Sie Anteile an einer GmbH halten und ins Ausland ziehen, kann der Fiskus die stillen Reserven besteuern. Bei Wegzug in einen EU/EWR-Staat können Sie die Steuerzahlung allerdings aufschieben – das sogenannte Nichtfestsetzungskonzept. Bei Umzug in ein Drittland wird die Steuer hingegen sofort fällig. Doppelbesteuerungsabkommen regeln, welches Land bestimmte Einkünfte besteuern darf. Österreich hat mit über 90 Ländern solche Abkommen. Prüfen Sie das DBA mit Ihrem Zielland besonders im Hinblick auf Pensionen, Mieteinnahmen und Kapitalerträge. Ein Punkt, der oft übersehen wird: Wenn Sie österreichische Immobilien vermieten, bleiben diese Einkünfte in Österreich steuerpflichtig – unabhängig davon, wo Sie leben. Auch Einkünfte aus einer österreichischen GmbH können weiterhin der österreichischen Besteuerung unterliegen.

4 Pension und Sozialversicherung

Ihre in Österreich erworbenen Pensionsansprüche bleiben auch bei Auswanderung erhalten. Die österreichische Pension wird grundsätzlich weltweit ausbezahlt. Innerhalb der EU werden Versicherungszeiten aus verschiedenen Ländern zusammengerechnet – das kann sogar zu einer höheren Pension führen. Bei Auswanderung außerhalb der EU kommt es auf bilaterale Sozialversicherungsabkommen an. Österreich hat mit vielen Ländern solche Abkommen, unter anderem mit der Türkei, Serbien und den USA. Ohne Abkommen können Versicherungszeiten unter Umständen nicht angerechnet werden. Die Krankenversicherung über die ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) endet mit der Abmeldung. Sie können sich im Zielland gesetzlich versichern (innerhalb der EU oft über die EHIC-Karte in der Übergangszeit) oder eine internationale Krankenversicherung abschließen. Besonders für Pensionisten wichtig: Die Pension wird in der Regel am Wohnsitzland besteuert, sofern ein DBA existiert. In manchen Ländern – wie Portugal (früher unter NHR) oder Zypern – können Pensionen deutlich niedriger besteuert werden als in Österreich.

5 Bankkonten und Finanzen

Österreichische Banken sind im Vergleich zu deutschen Banken tendenziell kulanter gegenüber Auslandskunden. Viele Banken erlauben es, Konten auch ohne österreichischen Wohnsitz weiterzuführen. Fragen Sie aber trotzdem vorher bei Ihrer Bank nach – einige Institute schränken Dienstleistungen ein oder erheben höhere Gebühren. Für internationale Überweisungen und Geldtransfers sind spezialisierte Dienste wie Wise oder Revolut günstiger als klassische Banküberweisungen. Besonders bei Nicht-Euro-Währungen sparen Sie erheblich bei den Wechselkursen. Wenn Sie ein Wertschriftendepot in Österreich haben, prüfen Sie, ob Ihr Broker Kunden ohne österreichischen Wohnsitz weiterhin betreut. Flatex, die Erste Bank und easybank haben unterschiedliche Richtlinien. Im Zweifel übertragen Sie Ihr Depot vor dem Umzug zu einem internationalen Broker. Denken Sie auch an die steuerlichen Implikationen: Kapitalerträge werden in Österreich mit 27,5 Prozent KESt besteuert. Im Ausland können andere Sätze gelten – oder gar keine Steuer auf Kapitalerträge, wie etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

6 Praktische Vorbereitung

Beginnen Sie mindestens sechs Monate vor dem geplanten Umzug mit der Vorbereitung. Erstellen Sie eine detaillierte Checkliste und arbeiten Sie die Punkte systematisch ab. Wichtige Dokumente, die Sie vor der Auswanderung besorgen sollten: aktueller Reisepass (mindestens drei Jahre Restgültigkeit), Geburtsurkunde (international, mit Apostille), Heiratsurkunde falls zutreffend, Strafregisterbescheinigung, Führerschein (ggf. internationaler Führerschein), Zeugnisse und Diplome (beglaubigt und eventuell übersetzt). Kündigen Sie rechtzeitig alle laufenden Verträge: Mietvertrag (Achtung: in Österreich oft drei Monate Kündigungsfrist), Strom und Gas, Internet und Telefon, Versicherungen, Zeitschriften und Abonnements. Richten Sie eine Vollmacht für eine Vertrauensperson in Österreich ein. Es gibt immer Dinge, die nach dem Umzug noch erledigt werden müssen – ein Bescheid vom Finanzamt, ein Brief von der Pensionsversicherung, eine Bankunterlage.

7 Beliebte Zielländer für Österreicher

Die beliebtesten Zielländer für österreichische Auswanderer sind wenig überraschend: Deutschland steht wegen der fehlenden Sprachbarriere an erster Stelle, gefolgt von der Schweiz mit ihren höheren Gehältern. Für den echten Neustart im Ausland wählen Österreicher ähnliche Ziele wie Deutsche: Spanien und Portugal für mediterranes Lebensgefühl, Thailand für niedrige Kosten und tropisches Klima, Dubai für Steuerfreiheit. Aber es gibt auch typisch österreichische Zielregionen: Kroatien und Slowenien sind wegen der geografischen und kulturellen Nähe beliebt. Viele Österreicher haben bereits Ferienimmobilien in Istrien oder Dalmatien und machen den Schritt zur dauerhaften Übersiedlung. Zypern wird zunehmend als EU-Alternative zu Dubai entdeckt: Niedrige Steuern, 340 Sonnentage, Englisch als Geschäftssprache und volle EU-Mitgliedschaft. Für Unternehmer, die im EU-Raum bleiben wollen, eine attraktive Option.

8 Fazit

Die Auswanderung aus Österreich ist gut machbar, erfordert aber sorgfältige Planung – besonders im Bereich Steuern und Sozialversicherung. Die Wegzugsbesteuerung bei GmbH-Anteilen sollte frühzeitig mit einem Steuerberater besprochen werden. Die Pensionsansprüche bleiben erhalten, die Auszahlung ins Ausland funktioniert in der Regel problemlos. Der größte Vorteil für österreichische Auswanderer: Als EU-Bürger haben Sie innerhalb der Union volle Freizügigkeit. Kein Visum, keine Arbeitserlaubnis, keine komplizierten Aufenthaltstitel. Und auch außerhalb der EU stehen Ihnen als österreichischem Staatsbürger mit einem der stärksten Reisepässe der Welt viele Türen offen. Mein Rat: Testen Sie Ihr Zielland vor dem endgültigen Schritt. Verbringen Sie zwei bis drei Monate dort, lernen Sie den Alltag kennen – nicht nur den Urlaubs-Modus. Dann treffen Sie eine fundierte Entscheidung.

Beliebte Zielländer

ThailandPortugalSpanienDubaiZypernPhilippinenKroatien

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Schritt-für-Schritt Anleitung für die Auswanderung aus Österreich.

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